begin over de auteur boeken vertalingen luisteren werkplaats tientjeslid links contact                 

Augentrost in Goerslow

Blad: Website BStU
Datum: 2012-07-11

Da liegt es wieder, ein längliches Hochhaus in nebligen Wiesen, von der zarten Herbstsonne beschienen. Auf diesen Anblick habe ich mich im Morgengrauen, aus dem Wendland kommend, unentwegt gefreut. Ich biege in die Zufahrtsallee ein. Es ist, als besuchte ich einen alten Ort, der schon Jahre in meinem Gedächtnis umherschweift. Ist es tatsächlich nur drei Monate her, dass ich hier zum ersten Mal war? Ist dies wirklich erst mein zweiter Besuch? Schau mal, dort kommt die kleine Kirche zartgelb hinter dem Gebäude zum Vorschein. In der Tiefe glänzt der Schweriner See und am anderen Ufer die alte Stadt, als wäre sie nur ein Phantom am Horizont. Es muss eine zielsichere Hand gewesen sein, die das Bauwerk der Nationalen Volksarmee aus großer Höhe dort hingeschmissen hat: es entzog die kleine Kirche fortan den Blicken der Bürger auf der Straße.

Schnell hinein, dort steht mir noch mehr in Aussicht. Vier Flure übereinander, der untere halb in die Erde gesunken, ein Keller mit Oberlicht. Jeder Flur sieht identisch aus: links und rechts Türen, eine nach der anderen. Hinter diesen Türen werden tagaus tagein Stasi-Akten aufgeschlagen, hier wird still gelesen und geschwärzt. Im Keller ist das Material gelagert. Und die Menschen mit den Unterlagen wandern stetig die Treppen hinauf und hinunter.
Auch das Treppenhaus mit seiner gläsernen Rückwand war mir im Gedächtnis geblieben. Es ist fast so wie draußen, hier kann man weit schauen, das Schöne sehen – aufatmen. Ich gehe hoch, den Blick zur Kirche und zum See, ich wende mich um: Blick zum kargen Inneren des Gebäudes und höher: Blick zur traumhaften Landschaft hin, und wieder zum Inneren, und schließlich noch mal zum immer weiteren Ausblick, und dann weiter zum dritten Stock, wieder Türen links und rechts.
Dahinter versetzen sich Jahr für Jahr die Angestellten in eine untergegangene, von einem dichten Spitzelgespinst durchzogene Gesellschaft und wissen, dass deren Wirkung noch lange nicht zu Ende ist. Wenn sie es nicht schon aus ihren eigenen Biografien wissen, dann haben sie es an den Besuchern gemerkt, an ihrem tiefen Schweigen oder ihrem wirren Gerede, nachdem sie im Schmutz gewühlt haben. An den leeren Augen oder den entsetzten, an den zitternden Händen, an den vorwurfsvollen Blicken zwischen Ehepaaren, Geschwistern, Kumpeln, Freunden. Sie wissen, wie verschlossen Menschen sein können, und sie schwärzen und schwärzen. Gehen in ihrem Kopf zwischen Täter und Opfer hin und her, so lange, bis sich der Unterschied manchmal verwischt. Es sind selten Heldengeschichten, die sie lesen, hier herrscht die Geschichte in ihrer heldenlosen Variante. Hier kommt Vergessenes, Verdrängtes in den Köpfen hoch, hier brechen Welten zusammen. Und die Mitarbeiter wissen es, sehen es, strengen sich an, sachlich vorzugehen, sich zu wehren gegen das Misstrauen, die Kleinlichkeit und den Verrat, die sie tagtäglich vorgeführt bekommen.

Ich sitze im Lesesaal und schaue hinaus zur Allee, die rechtwinklig von der Chaussee abbiegt und der Außenstelle zuläuft. Dort fahren die Transporter voller Stasi-Akten aus Berlin, aus Neubrandenburg, Erfurt, Dresden, Frankfurt (Oder), Suhl, Rostock, Halle, Gera, Chemnitz, Magdeburg und Leipzig über Landstraßen und Autobahnen hin und her. Der Geruch des alten Papiers, der in meine Nase dringt, bringt mich zu den Akten zurück. Mein Gott, denke ich reflexartig, es ist der Geruch der Vergänglichkeit, es wird alles zerkrümeln. Wie lange wird es noch Zeitzeugen geben? Fünfzig Jahre? Ich arbeite mich durch die Aktenstöße, ich versinke im Leben von Menschen, die ich nicht persönlich kenne, in Geschehnissen, menschlichen Biotopen, die nicht die meinen sind. Die mich trotzdem angreifen, da die Vorstellung, in so einer Welt zu leben, mich beschäftigt. Da ich wissen möchte, was das bedeutet, was das mit Menschen macht. Ich stelle mir dauernd die Betroffenen vor, Opfer ebenso wie Täter, oder auch, nachträglich – das ist mir jetzt erst klar geworden – die Angestellten der BStU. Der Mensch mag in der Lage sein, sich an fast alles zu gewöhnen, aber alles, bis auf die unmerklichste Winzigkeit, hinterlässt in ihm seine Spuren. Als ich wieder hochsehe, äsen zwei Rehe in der Wiese vor dem Gebäude – als ob die Welt heil wäre. Augentrost. Das brauchen die Menschen hier.

Von der Redaktion:
Zur Entstehung dieses Texts: Die niederländische Schriftstellerin Pauline de Bok lebt in Amsterdam und Mecklenburg. Auf Deutsch erschien 2009 unter dem Titel "Blankow oder das Verlangen nach Heimat" ihr Buch über ein mecklenburgisches Vorwerk. Zurzeit arbeitet sie an einem Roman, der im Wendland spielt und an einem erzählerischen Sachbuch über das Dorf Fürstenhagen in Mecklenburg-Vorpommern. 2011 besuchte sie den Tag der offenen Tür der Schweriner Außenstelle der Stasi-­Unterlagen-­Behörde. Im Gespräch erfuhr sie, dass auch sie einen sogenannten "Forschungsauftrag" stellen und damit themenbezogen in Stasi­Unterlagen einsehen könne. Als Gast eines Künstlerhofes im Wendland nutzte Pauline de Bok den Kontakt und die Nähe zur Schweriner Außenstelle und kam nach Görslow zur Akteneinsicht. Dort wurden Materialien zum Thema "Zwangsaussiedlung" und zu einem Stasi­Informanten aus dem Wendland für sie vorbereitet. Die Erkenntnisse fließen in ihre gegenwärtigen Buchprojekte ein. Der Text "Augentrost in Görslow" reflektiert ihre Eindrücke vor Ort und aus den Gesprächen mit Behördenmitarbeitern.

 

 
 

parken

`De architect hoeft hier niet te wonen´
`Anti-parken´, noemen critici de nieuwe Haagse stadsparken uit het beleidsplan Licht op groen. Busladingen architecten komen er kijken. De Turkse moeders willen meer speelruimte voor de kleintjes en minder Bulgaarse illegalen.   

de Volkskrant

 

dood

Leven met hiv
Acht seropositieve druggebruikers vertellen over hun leven, hun angsten, hun hoop en hun manieren om met aids om te gaan. Optimisme, woede, kracht en pessimisme wisselen elkaar af. Sommigen blijven gebruiken, anderen stoppen met drugs.   

Seropositief verder

 

Oost-Europa

Gevallen helden
Geschiedenis wordt Disneyland in Grutas Park waar oude sovjet-helden in steen een plaats hebben gekregen. Een Litouwse worstelkampioen bracht ze bijeen, één Marx, twaalf Lenins, twee Stalins, twee Dzerzjinski's en talloze kleiner helden.   

de Volkskrant

 

Oost-Europa

Steden zonder geheugen nu als e-book
Nu ook verschenen als E-BOOK (uitgeverij Fosfor). Vertaalster Aai Prins en journalist en schrijver Pauline de Bok maakten een reis door de Oekraïne in het voetspoor van de joods-Russische schrijver Isaak Babel.   

Uitgeverij Fosfor

 

bossen

Wakker gekust door de tornado
`Gouden pech´ noemt de brochure Hoogvliet Vernieuwt de storm achteraf. Op een dag begonnen mensen met andere ogen naar het Ruigeplaatbos te kijken. En wat bleek? De natuur was tot leven gekomen, de storm had haar wakker gekust.   

de Volkskrant

 

Oost-Europa

Minsk: wonderlijk over the top
Geen billboards, geen hippe winkelpuien, zelfs de tand des tijds lijkt geen vat te hebben op Minsk. In de laatste dictatuur van Europa lijkt geen vuiltje aan de lucht. Nergens zijn de vrouwen zo kortgerokt en de wodka vloeit rijkelijk.   

de Volkskrant

 

divers

Het eeuwig misverstand
`Stom beest, doe wat!´ bijt ik de hond toe, als de elektriciteit plotseling is uitgevallen. Met de staart tussen de poten volgt hij me als een schaduw. `Aan jou heb ik ook geen barst als het erop aan komt, alleen maar vreten doe je.'   

ongepubliceerd

 

jacht

Ik verlang naar de jacht
Interview op 1 november 2014 in de rubriek `Lunchen met...´ in NRC Handelsblad, na het verschijnen van mijn roman De jaagster. `Ik vond dat ik zelf moest kunnen jagen om er goed over te kunnen schrijven.´   

NRC Handelsblad

 

divers

Louis Zwiers (6)
De schim van Polly Waarin hij zich zorgen maakt om zijn vrouw, die ´s nachts weer zo geschreeuwd heeft, wil weten hoe zijn nieuwe baseballpet hem staat en steeds zijn hondje zoekt.   

ongepubliceerd

 

jacht

Natuurvolgend bosbeheer en jacht
‘Natuurvolgend bosbeheer kan niet zonder effectief wildbeheer’, zegt de Wageningse hoogleraar Bosecologie Frits Mohren. ‘Mensen denken dat het bos er vanzelf is‘, een misvatting. Over een halve eeuw bosbeheer in Nederland..   

De Jager