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Weihnachtskatzen (in deutscher Uebersetzung)

Blad: Insel Suhrkamp Verlag
Datum: 2012-12-01
Tekst: Pauline de Bok u.a.
Vertaling: Waltraud Hüsmert

Voor de Nederlandse tekst: zie 'Weihnachtskatzen'

Ausgewählt von Gesine Dammel 

Übersetzt von Waltraud Hüsmert

 

P o e s p o e s p o e s

Als ich dich zum ersten Mal sah, hatte ich ein bisschen Angst vor dir. Du hattest so einen unheimlichen, bizarren schwarzen Fleck am Kopf. Es war der Tag im Juli, an dem die japanische Komponistin, bei der du zusammen mit zwei anderen Katzen lebtest, fragte, ob ich mich nach ihrer Abreise eurer annehmen könnte. In diesem Moment sah ich dich vor meinem inneren Auge im Schnee. Vorsichtig bist du durch die strahlend frischen Flocken gestakst und mit deinem schwarz-weißen Pelzmantel fast mit dem weißen Hintergrund verschmolzen, den schwarzen Fleck wie einen eleganten Hut schelmisch über die Augen gezogen. Wie gemalt. Aber sofort schob sich ein anderes Bild davor: Du lagst nachts unter einem zugigen Holzstapel, nur noch struppiges Fell über den Knochen, kurz nachdem auch ich aus dem Rundling weggegangen war.

Ich sagte der Japanerin, dass ich euch gern aufnehmen würde, euch dann aber mitten im Winter vor die Tür setzen müsse und dass ich befürchtete, ihr würdet das nicht überleben. Sie sprach mit dem Bauern nebenan, und der meinte, wir brauchten uns keine Sorgen zu machen, ihr wärt ja die Dorfkatzen. Ich glaubte es nur halb. Aber ich wollte es glauben, damit ich meine Tür für euch öffnen konnte. Damit ich mich um euch kümmern konnte, weil das angenehm war in meiner Einsamkeit.

So seid ihr, nachdem ich der Japanerin zum Abschied hinterhergewinkt hatte, bei mir eingezogen. Tiger behielt seinen Namen, Black & White hieß von da an Jägerin. Dir gab ich den Katzennamen schlechthin: Poes (ausgesprochen: Puus), so werden Katzen in den Niederlanden seit Menschengedenken gerufen, „poespoespoes“. So rufe ich euch auch. Du warst der Archetyp der Katze, die so tat, als wäre sie ein Haustier. Du warst liebenswürdig, nicht um dich einzuschmeicheln, sondern aus purer Lebensfreude. Ich habe viel von dir gelernt.

Du wusstest, dass ich Tiger verachtete wegen seiner Fressgier, seinem Ellenbogenverhalten, seinem Mangel an Humor und Geist. Weil er ins Haus gepinkelt hat. Aber du warst großzügig, weil er das in seiner Geistesarmut brauchte. Du hast ihm beim Fressen den Vortritt gelassen, er durfte sich immer an dich ankuscheln, du hast ihm das Fell geleckt und ihn manchmal zu einer Balgerei herausgefordert, aber immer überspannte er irgendwann den Bogen, sodass du zum Schluss einfach abgehauen bist. In allem äffte er dich freudlos nach, für dich war das in Ordnung, wenn er nun mal glaubte, dass er sich dann besser fühlte. Aber als er krank wurde, bist du ihm unauffällig und doch entschlossen fern geblieben. Er hat es nicht mal gemerkt, er war zu verblüfft über das, was ihm widerfuhr. Und kaum war er fort, da wurde mir klar, dass du Tiger bereits für immer begraben hattest. Du lebtest fröhlich im Jetzt, du konntest nicht anders. Genau das versöhnte mich damit, dass ich so Schlimmes für dich fürchtete. Ich wusste, dass du weder in die Vergangenheit noch in die Zukunft blicken konntest. Du littest nicht unter dem, was kommen würde. Du wusstest nichts davon.

Wir lebten nicht in derselben Welt, nicht in einer gleichen Art Zeit und Raum, und doch verstanden wir uns, außerhalb von Bildern und Gedanken. Verzeih mir, wenn ich zu so hochtrabenden Worten greife, das ist meine Sehnsucht, über menschliche Maßstäbe hinaus zu gelangen. Vanitas vanitatum. Ich bleibe ein Mensch. Lass mir meine Irrtümer.

Es beschämt mich, merke ich, dass ich öffentlich mit dir rede, sodass es jeder mitlesen kann. Aber es geht nicht anders. Ich habe immer mit euch gesprochen. Ihr wart das Einzige in meiner Nähe, das Ohren besaß. Das war vielleicht eure wichtigste Eigenschaft. Oder nein, vielleicht ist es noch anders: Ihr wart die Einzigen in meiner Nähe, die etwas von sich aus taten. Obwohl - ich kann schwerlich behaupten, dass die Hunderte Fliegen, die Hornissen, die Armee von Schnecken, die Vögel, der Igel, das Eichhörnchen und der Waschbär, der eines Abends die Nase an meine Terrassentür drückte, nichts taten. Und sogar mit ihnen allen habe ich geredet. Das war es also nicht allein.

Ihr seid immer zurückgekommen, und ich wusste, dass ihr dieselben wart, was nicht einmal beim Igel und beim Waschbär so sicher war. Ihr habt bei mir gewohnt. Und du hast offenbar - anders als Tiger und Jägerin – nicht nur das Futter, die Wärme und die Ruhe geschätzt, sondern auch meine Gesellschaft. Bevor du zum Fressnapf stapftest, bist du mir immer miauend um die Beine gestrichen. Diese Höflichkeit war für mich das Sahnehäubchen des Tages. Oder noch etwas: wenn ich, was selten vorkam, mit jemandem telefonierte, kamst du gurrend zu mir gerannt – ja, gurrend, anders kann ich es nicht bezeichnen. Ich weiß immer noch nicht, warum du mir dann einfach auf den Schoß gesprungen bist. Du hattest das weichste Fell, du hast am stärksten gehaart, aus purem Genuss hast du die Krallen beim rhythmischen Treteln in mein Fleisch gepiekst. Sodass ich dich wieder auf deine vier Pfoten stellen musste. Um ehrlich zu sein, Poes, ich fand dich auch ein bisschen eklig. Du hast oft geschnieft, geprustet und geniest. Manchmal hast du daran gedacht, den Schnodder wieder aufzulecken, aber manchmal hast du es vergessen. Wie eine Ansteckungsphobikerin lief ich hinter dir her und wusch mir die Hände öfter denn je. Mich juckte es überall. Ich entschied, dass es nicht an euch lag, denn ich wollte euch nicht rauswerfen. In der Apotheke kaufte ich mir Pillen gegen Juckreiz, damit ich nachts wieder schlafen konnte.

Dank euch lebte ich nicht nur in meinem Kopf, zwischen den Dingen und der Natur draußen. Ich hatte ein Gegenüber, das Raum schuf, ihr zeigtet Verhalten, das ich beobachten konnte, ich konnte darüber nachdenken, es mit meinem Verhalten vergleichen. Und mit dem des Hundes, den ich bis dahin immer bei mir gehabt hatte, wenn ich allein auf dem Land lebte. Ein Hund ist so anders, er scharwenzelt ständig um einen herum, er betrachtet einen Menschen als seinen Herrn, ihr nicht, ihr seid souverän, ihr akzeptiert keine Autorität. Ich stelle das nur fest, ich bin kein ausgesprochener Katzen- oder Hundemensch. Unterschiede machen mich klüger, durch Unterschiede verstehe ich die Welt um mich herum besser.

Ihr habt für das Unerwartete gesorgt, für alles, was nicht von mir selbst kam. Ihr habt mir ständig Rätsel aufgegeben, ihr habt mich zum Lachen gebracht und zum Fluchen, ihr habt mich aus der Reserve gelockt.

Besonders dir konnte ich wenig untersagen, weil du es immer wieder geschafft hast, mich zu entwaffnen. Keine Ahnung, wieso, aber ihr seid nie auf die Spüle oder auf den Tisch gesprungen. Bis du eines Tages zwischen den Apfelsinen und den Birnen in der Obstschale lagst. Das Stillleben schmeichelte meinen Augen so, dass ich dich nicht weggescheucht habe. Und die Früchte strahlten.

Ich bilde mir immer ein, dass ich euch nicht mit uns Menschen durcheinander bringe, aber so einfach ist das nicht. Je mehr wir uns an Tiere binden, desto schwieriger wird es, sie nicht zu vermenschlichen. Meist geschieht das mit den besten Absichten: Wir wollen es euch recht machen, wir wollen Nähe, also versuchen wir, uns in euch einzufühlen, euch ernst zu nehmen, und, tja, ehe es uns bewusst wird, dichten wir euch allerlei Menschliches an. Warum sonst würde ich nun mit dir reden? Es ist für uns auch nicht gerade einfach, etwas zu lieben, ohne es uns anzueignen, ohne dass wir zu wissen glauben, was das Beste ist. Ich wollte mir nicht anmaßen, dich zu kennen. Ich wusste recht gut, dass mir Bescheidenheit anstand. Du gehörtest ausschließlich dir selbst. Das ist das Vorrecht frei lebender Katzen.

Als ich erst kurze Zeit hier war, fuhr ich mit dem Rad über einen Sandweg außerhalb des Rundlings und sah dich über die Wiesen stromern. Ich fuhr näher heran, ich rief dich. Scheu bist du weggeflitzt. Das fand ich seltsam. Ob du mich außerhalb des Grundstücks wohl nicht erkanntest? Später passierte es noch einmal, und erst allmählich dämmerte mir, dass du es nicht warst und dass dein Doppelgänger eine halbe Nummer größer war, aber genauso gefleckt. Offenbar bist du hier heimisch, Katzengenerationen lang, du gehörst hierher. Und nicht nur du. Ich öffnete die Terrassentür, um Jägerin hereinzulassen, und sah sie im selben Moment auf dem Sofa liegen. Mein Herzschlag setzte aus, ich schlug die Tür wieder zu und blickte durch die Scheibe, eine oversized Jägerin mit noch kälteren hell graugrünen Augen sah mich frech an, eine Katze aus einem Trickfilm, die jeden Moment etwas zu mir sagen könnte. Jägerins Bruder, Onkel, Cousin, zweifellos. Kennst du diese grundlose Angst, die in dir hämmert, wenn du voller Vertrauen etwas Bekanntem entgegentrittst und erst kurz davor merkst, dass es etwas Fremdes ist?

Der Anblick eurer Gengenossen überzeugte mich davon, dass ihr hier zu Hause wart, dass ihr euch hier immer durchgeschlagen habt, jahraus, jahrein. Und dass ich hier der Gast war und wieder verschwinden würde.

Es steht mir nicht zu, euer Verhalten zu kritisieren. Aber ihr musstet mir Zeit lassen. Es war gewöhnungsbedürftig, dass Jägerin jeden Tag mit einer Maus im Maul angelaufen kam. Ich hörte sie schon von weitem, kläglich maunzend, jedenfalls klang es in meinen Menschenohren so. Vielleicht brachte sie so ein Geräusch nur hervor, weil ihr die Maus sonst aus dem Maul gefallen wäre. In der Küchenschublade hatte jemand ein Halsband mit einem Glöckchen zurückgelassen. Mich durchblitzte der Gedanke, es Jägerin umzubinden, falls sie mit Vögeln ankommen würde. Die liegen mir nun mal mehr am Herzen als Mäuse. So ein Gebimmel wäre prima für ihr Opfer und auch für mich. Aber Jägerin würde nichts mehr fangen und wäre gehandicapt. Was fiel mehr ins Gewicht?

Manchmal hatte ich mich selber so satt, dass ich mich anherrschte: Hör auf! Hältst du dich etwa für so überlegen, dass du glaubst, in die Tierwelt eingreifen zu müssen?

Ich schwieg und übte mich im teilnahmslosen Zuschauen. Ich wollte die Augen nicht verschließen vor euren Katzengewohnheiten. Manchmal war Jägerins Maus noch nicht tot. Und wenn Jägerin nicht hungrig war, nachdem sie eine Maus gefangen hatte, schaute sie manchmal einfach umher oder putzte sich. Und das Mäuschen lag mit dem Tode ringend da. Wenn es in Sterbensangst piepste, schaute sie vielleicht mal kurz auf. Oder sie stupste das Tierchen mit der Pfote an, um zu sehen, ob es sich bewegte. Ich sah das kleine Mäuseherz klopfen, die Pfötchen zittern. Schließlich nahm Jägerin das Köpfchen ins Maul, zerkaute den Schädel und biss ihn ab. Dann folgte der Rest, in wenigen Sekunden. Manchmal ließ sie die Gallenblase liegen, aber meist verschlang sie die ganze Maus. Das hatte dann wieder Stil, fand ich. Dann war der Tod nicht umsonst gewesen.

Wenn die Maus nur verletzt war und noch wegkriechen konnte, habt ihr sie manchmal auch vergessen. Ja, auch du, Poes. Lange Zeit glaubte ich, dass du, seitdem du bei mir lebtest, überhaupt keine Mäuse mehr fingst. Insgeheim fand ich, dass das für dich sprach. Schau, da begann ich doch beängstigend abzugleiten. Ich wollte dich manipulieren.

Als ich eines Abends nach Hause kam, sprang Jägerin fröhlich auf mich zu. Futter! Aber du warst im Obstgarten zu sehr beschäftigt. Du belauertest eine kleine braune Maus mit einem dunklen Streifen auf dem Rücken, die angeschlagen durchs Gras kroch. Ich schaute auch hin, du sahst ungerührt weiter zu. Und es entging dir, dass ich dich dazu bringen wollte, das Tierchen von seinem Leid zu erlösen. Warum tat ich es nicht selbst, schließlich fühlte ich mich ja dadurch gestört? Weißt du, dass ich daran nicht einmal gedacht habe? So tief sitzt offenbar meine Überzeugung, dass jemand die Verantwortung für seine Handlungen selbst übernehmen muss. Auch wenn dieser jemand eine Katze ist. Jetzt mache ich das schon wieder, Poes, eigentlich ist es unverzeihlich. Und plötzlich wurde mir noch etwas anderes klar, plötzlich erkannte ich, dass meine Anteilnahme dem Zufall geschuldet war. Es musste eine Menge verletzte und verstümmelte Mäuse rund ums Haus geben, überall krepierten sie oder lagen halbtot herum. Nur hatte ich noch nie darüber nachgedacht. Für euch war es völlig normal. Die Welt um uns herum ist so verschieden. Ich war dort im Obstgarten von Grausamkeit umgeben, auch wenn ich kein Auge dafür hatte. Erst durch euch ist mir das klar geworden, aber ich empfand keinen Abscheu, es war gerade so, als ob ich zugleich mehr Mensch wurde und mehr Tier, als ob mein Leben inniger mit der Welt verbunden war.

Das Wundersame an der Zeit mit euch war, dass ich mich zugleich band und loslöste. Nein, nein, das entgeht dir, Poes, das existiert nur, wenn man Vergangenheit und Zukunft kennt. Das Binden ging von allein, das Loslösen war eine langwierige Aufgabe, getrieben von dem Gedanken, dass ich eure Wehrhaftigkeit nicht in Gefahr bringen durfte, indem ich versuchte, Hauskatzen aus euch zu machen.

Also überließ ich euch, wenn ich für eine Weile weg musste, eurem Schicksal. Dazu musste ich wirklich mit mir ringen. Das Fleisch ist schwach, irgendwo in mir steckt eine Glucke. Wenn ich zurückkam, eilte ich immer im Laufschritt von der Bushaltestelle zum Haus. Auf der Zufahrt pfiff ich schon meine Melodie. Du kamst dann vom Hof der Nachbarn anstolziert, nur gut, dass niemand sah, wie froh ich war. Ich wog dich auf meiner Hand, du hattest das Leben draußen gut überstanden und schlabbertest gierig ein Schälchen Milch leer. Erst wenn ihr alle drei wieder aufgetaucht wart, war ich wirklich zu Hause. Es rührte mich, dass ihr all die Tage Ausschau nach mir gehalten hattet – ich wurde wieder aufgenommen, jedenfalls konnte ich mir das einbilden. Ich wusste natürlich genau, dass ihr mich einfach benutzt habt, man kann auch sagen, dass ich euch mit Futter und Fußbodenheizung bestochen habe. Aber es ging nicht um menschliche Motive. Ihr wart da, ich war da, das genügte. Und ich bereitete mich darauf vor, dass es auch genügen würde, wenn es anders wurde.

Als Tiger krank wurde – das muss ich doch noch kurz ansprechen, denn in meinen Notizen lese ich, dass es nicht stimmt, dass du ihm damals aus dem Weg gegangen bist. Meine Erinnerung ist also nicht zuverlässig, deshalb zitiere ich: Tiger ist krank. Sein Atem geht keuchend und pfeifend. Lungenentzündung? Er frisst zwar noch, aber nicht mehr so gierig, und er sieht ein bisschen struppig aus. Beim Fressen macht er plötzlich seltsame, pfeifende Geräusche, und er schlägt sich schnaubend  mit der Pfote ans Maul, offenbar verspürt er einen plötzlichen, stechenden Schmerz. Seine Flanken zucken rhythmisch. Nachdem er gefressen hat, hockt er ganz klein mit rundem Rücken da und lässt den Kopf etwas nach vorn hängen. Seine Gestalt ist völlig anders. Poes sucht er kaum noch auf. Gestern Abend einmal ganz kurz. Poes legte sofort die Pfoten um seinen Hals und leckte ihm über den Kopf.

Ich bin nicht stolz darauf, ich habe mich sogar im Verdacht, dass ich diese Szene verdrängt habe, weil es mir lieber gewesen wäre, wenn du damit angefangen hättest, Tiger links liegen zu lassen. Dann hätte ich beschönigen können, warum ich nichts für ihn getan habe: Ich habe mich in Bescheidenheit geübt und bin nur dir in deiner Katzenweisheit gefolgt.

Innerhalb weniger Tage war Tiger ganz leicht geworden, sein Rückgrat ein scharfer, gebogener Kamm. Er lag mit spitzer Schnauze auf dem Sessel und rührte sich nicht. Ich kämpfte damit, ob ich ihn wirklich seinem Schicksal überlassen sollte. Warum gebe ich ihm Futter und eine Unterkunft, aber tue nichts, wenn er krank ist? Also versuchte ich mal wieder im Internet herauszufinden, was ihm fehlen könnte. Jedes Mal landete ich auf Seiten zum Thema Vergiftung. Sollte ich ihn in einen Korb stecken und mit dem Fahrrad zum Tierarzt fahren? Für eine Streunkatze ein Albtraum. Den Tierarzt vorbeikommen lassen, damit er ihm Medikamente verschrieb, die ich ihm dann nicht geben könnte, weil ich ein paar Tage verreisen würde? Leute aus dem Dorf konnte ich damit auf keinen Fall behelligen. Tierärztliche Behandlung und frei lebende Katzen, das passte nicht zusammen. Sie würden mich als exaltierte Städterin entlarven. Was ist der Unterschied zu dem Mädchen, das eine Krähe mit gebrochenem Bein im Vondelpark fand und den Tierrettungsdienst anrufen wollte? Dekadenz war das Wort, das mir sofort einfiel, als ich davon erfuhr.

Aber was dann, Poes? Tiger einschläfern lassen oder ihn selbst töten? Ich war mir ja gar nicht sicher, ob er wirklich keine Chance mehr hatte. Und ob so eine Handlung wirklich besser für ihn wäre. Ich wollte nicht weiter darüber nachdenken. Er beschäftigte mich schon viel zu sehr, warum war er auch so gefräßig, dass er sich über vergiftetes Futter hergemacht hatte? Warum war es mein Problem geworden? Wer sagte das überhaupt? Wenn es etwas später passiert wäre, wäre ich schon weg gewesen. Mir surrte der Kopf.

Wenn eine Katze sehr krank ist, sucht sie die Einsamkeit, hatte ich einmal gelesen. Das würde Tiger bestimmt auch tun. Also setzte ich euch alle drei nach draußen und fuhr Fahrrad. Um mich loszulösen. Ist das nicht schön gesagt? Um ihn los zu sein, wirst du vielleicht sagen. Das klingt schon viel weniger gut. Es liegt dicht beisammen.

Als ich zurückkam, hatte ein eisiger Nieselregen eingesetzt. In der Dämmerung jagten Wolken am Mond vorbei. Immer wieder ging ich zur Tür und spähte über die Terrasse. Jägerin und du waren schon wieder seit Stunden im Haus. Tiger habe ich nicht mehr gesehen.

Am nächsten Morgen habe ich ihn noch gesucht, aber ich wusste, dass ich ihn nicht finden würde.

Tot, tot, tot hallte es in meinem Kopf und erschreckte mich immer neu, nicht davor weglaufen, büßen. Es blieb unfassbar, erst war da Tiger, und dann gab es nur noch ein Foto auf meinem Bildschirm. Ein schönes außerdem, so dass ich mich doch wieder mies fühlte, weil ich ihn nur geduldet hatte. Jägerin und du, ihr habt keine Regung gezeigt, nichts, woraus ich hätte schließen können, dass für euch etwas nicht stimmte.

Aber Poes, wie sollte das nun werden, wenn du frieren würdest, nachdem ich dich demnächst endgültig vor die Tür gesetzt hätte? Keiner mehr, der sich an dich ankuschelte. Jägerin hatte an sich selbst genug. Müsste ich mich auch für die Zeit nach meiner Abreise um dich kümmern?

Jetzt noch nicht, erst feierten wir Weihnachten. Zum ersten Mal war das Haus voller Menschen. Ihr seid einfach drinnen geblieben. Von den Balken aus, die überm Tisch durch den hohen Raum führen, habt ihr zugeschaut, wie Fleisch von einem Reh herumgereicht wurde. Damals, Weihnachten, fing ich an, euch zu mästen, und gleichzeitig ließ ich euch manchmal absichtlich lange draußen, damit ihr euch abhärten konntet. So wie ich, ich musste es aushalten können, dass ich euch im Stich lassen würde. Ich will mich nicht selbst bedauern. Ich bin es, die euch so in Watte gepackt hat, dass ihr vielleicht einem Leben draußen in der Eiseskälte nicht mehr gewachsen seid und die schuld daran ist, dass ihr keinen langen Herbst hattet, in dem ihr euch allmählich irgendwo einen anderen Unterschlupf erobern konntet, bevor die Kälte endgültig von euch Besitz ergriff. Als ob ich euch betrogen hätte, denn ihr habt euch in Sicherheit geglaubt. Sag, dass es nicht so ist, Poes. Ich begreife noch immer nichts von euch. Vielleicht übertreibe ich meine Rolle, und die Monate bei mir waren nichts als ein luxuriöses Intermezzo in einem harten und freien Leben, das ihr mühelos wieder fortsetzen könnt. Aber das glaube ich nicht. Auch wenn ich keinen einzigen Grund dafür habe, es gelingt mir nicht, etwas anderes zu denken als: Das glaube ich nicht.

Zwei Monate später bekam ich eine Mail. Du hättest dich im Hallenhaus verschanzt, auf dem Dachboden unter meinem Fahrrad, das dort für eine Weile lagert. Der Tierarzt aus dem Dorf soll dich zurechtgeflickt haben. Warum das nötig war, stand nicht dabei. Die Mutter der Nachbarin von gegenüber soll dich aufgenommen haben. Aber das alles kann auch bedeuten, dass du tot bist. Vielleicht werde ich es nie erfahren, Poes, und vielleicht ist das deine endgültige Zurechtweisung.

  

 
 

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