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Das Opfer-Taeterkomplex

Blad: Universiteit van Amsterdam
Datum: 2006-05-05

Als Im Krebsgang, eine Novelle von Günter Grass, 2002 herauskam, wurde er verketzert und gelobt. Mich hat damals die Heftigkeit der Debatte gewundert, vor allem nachdem ich das Buch gelesen hatte, aber ich bin denn auch keine Deutsche, mich verbindet kein familiäres Glied mit dem Dritten Reich, mit den Tätern.
Die gegensätzlichen Positionen sind einerseits, was ich die Schuld-Puristen nenne, die meinen, dass die Deutschen ihr Leid verschlucken sollen, weil sie es selbst verursacht haben und weil sie anderen so viel größeres Leid angetan haben, andererseits die Revanchisten, die ihr Leben lang um die Anerkennung ihres eigenen Leides und Verlustes kämpfen. Konzentriert findet man die letzte Gruppe in den Vertriebenenverbänden, die es vor der Wende nur in der BRD gab und die jetzt noch immer vor allem im Westen Deutschlands aktiv sind.
Weshalb konnte Im Krebsgang 57 Jahre nach Kriegsende noch so viel Erregung verursachen? Wieso wird Günter Grass' Novelle tabudurchbrechend genannt? Es wurden doch schon länger Geschichten von Vertriebenen erzählt? Das stimmt, aber ­ ein großes ABER soll hier folgen ­ sie wurden überwiegend von Revanchisten erzählt und die brauchte man nicht richtig ernst zu nehmen. Da ist von vornherein klar, dass sie ihr Leid auf unpassende Weise als politisches Instrument benützen mit dem zugrundeliegenden Ziel: Rückgabe der ehemaligen deutschen Gebiete, des Vorkriegsbesitzes oder mindestens Wiedergutmachung und Anerkennung als Opfer.
Und dann schreibt einer der berühmtesten, linksliberalen Schriftsteller, ein Nobelpreisträger sogar, ein Buch über Vertriebene. Das bringt die vertrauten Positionen völlig durcheinander. Ist Grass Revanchist geworden? Könnte man glauben, er sei nachträglich mit 75 Jahren von seinen Jugenderinnerungen, von seiner eigenen Vertreibungsgeschichte überwältigt? Ein nicht unlogischer Gedanke, ab einem gewissen Alter rückt bei Menschen im Gedächtnis die Kindheit immer näher heran.

Könnte man also schlussfolgern, dass Grass' Novelle die Schuld der Deutschen zwischen 1933 und 1945 verharmlost und die deutsche Täter- in eine Opfergesellschaft verwandelt habe?
Als ich Im Krebsgang mit dieser Frage im Kopf aufs Neue las, konnte ich darin beim besten Willen keine Verharmlosung lesen. Das zentrale Ereignis, der Untergang der Gustloff, eines mit Flüchtlingen vollgepackten ehemaligen Ferienschiffs der national-sozialistischen Organisation »Kraft durch Freude«, war die größte Schiffskatastrophe in der europäischen Geschichte. Dass diese jahrzehntelang nicht thematisiert wurde, dass die Opfer und die wenigen Leute, die sie überlebt haben, nie, wie die von der Titanic, ins rechte Licht gerückt worden sind, hat natürlich gute Gründe. Aber letztendlich gehört auch der Untergang der Gustloff ­ die bei Grass als Metapher des deutschen Leides funktioniert ­ zur Vergangenheitsbewältigung der deutschen Kriegs- und Nachkriegsgeneration. Aufarbeitung unter Weglassung von Erfahrungen, die das Leben und die Psyche der meisten heutigen Deutschen grundsätzlich geprägt haben, und dazu gehört leider viel Elend, ist meines Erachtens sogar gefährlich. Gerade das zeigt auch Günter Grass in seiner Novelle, worin er drei Generationen skizziert. Die Mutter, die auf der Gustloff eingeschifft war und die, als das Schiff am 30. Januar 1945 sank, einen Sohn zur Welt brachte, hat ihn später, als er als Journalist tätig war, immer wieder gebeten, ihre Geschichte aufzuschreiben. Aber Paul, der Ich-Erzähler der Novelle, iverweigert sich sogar halbherzig über die Vergangenheit zu reflektieren. Aus Frustration bearbeitet die Mutter daraufhin seinen Sohn und ihr Enkelkind Konny, der sich völlig in der Geschichte verliert und sich auf einer eigenen Website Blutzeuge mit Wilhelm Gustloff identifiziert, einem 1936 von dem Juden David Frankfurter ermordeten NSDAP-Landesgruppenleiter. Als Paul letztendlich denn doch eine Geschichte über die Gustloff schreibt, entdeckt er das geheime Leben seines Sohnes, aber kann den verhängnisvollen Ablauf nicht mehr verhindern.
Grass manövriert geschickt zwischen Scylla und Charybdis hindurch und vermeidet das schematische Täter-Opfer-Muster mit Erfolg. Der lakonische Ton, der so typisch für Grass ist, trägt dazu bei, das Bemitleiden der Opfer auf Distanz zu halten. Mit Im Krebsgang hat Grass über Deutsche als Opfer geschrieben, ohne sich ständig mit ritualisierten, politisch korrekten Phrasen abzusichern, aber er hat sie zwischen den Zeilen durchaus auch als Täter dargestellt. Und in der Anerkennung dessen, dass die Täterfigur und die Opferfigur einen Komplex bilden, liegt die einzige Chance für die Deutschen, offen und würdig mit der grausamen Vergangenheit zu leben. Dazu passt nie eine Opfergesellschaft, aber mittlerweile auch keine Tätergesellschaft mehr

 
 

jacht

Jagen mit trockenen Augen
April 2013 publizierte die Zeitung de Volkskrant meinen ersten öffentlichen Auftritt als Jäger. Und auch heute gilt für mich noch: »Wir jagen nicht, um über die Natur zu herrschen, sondern weil wir Natur sind.«   

de Volkskrant

 

polders

Het horizonspel
Een vogel tjilpt vijf keer. Een groep ganzen scheert over. Boven de vaarten hangt lichte nevel, het groen verkleurt al winters bruinig. Verlangend begint de wind te zuchten en breekt - door een muisklik - plotseling af.   

de Volkskrant

 

parken

Duizendjarig puinpark
'Kijk, hier, berenvelgras, dat heeft het hele blok overgroeid, net een vacht.' Hij tilt het groene kleed op. 'Het gaat alsmaar verder, ha, ha, het is zoiets leuks: er komen geen bloemen aan, dus mensen zien het niet.'   

de Volkskrant

 

dood

Leven met hiv
Acht seropositieve druggebruikers vertellen over hun leven, hun angsten, hun hoop en hun manieren om met aids om te gaan. Optimisme, woede, kracht en pessimisme wisselen elkaar af. Sommigen blijven gebruiken, anderen stoppen met drugs.   

Seropositief verder

 

Oost-Europa

Gevallen helden
Geschiedenis wordt Disneyland in Grutas Park waar oude sovjet-helden in steen een plaats hebben gekregen. Een Litouwse worstelkampioen bracht ze bijeen, één Marx, twaalf Lenins, twee Stalins, twee Dzerzjinski's en talloze kleiner helden.   

de Volkskrant

 

vertalen

Over Leven met het pistool op tafel
De Duitse schrijver Wolfgang Herrndorf, bekend van de roadmovie Tsjik hield na de fatale diagnose van een hersentumor een digitaal dagboek bij. Zo volgen we hem in zijn moedige, onderzoekende en heftige laatste drie jaar.   

Uitgeverij Cossee

 

divers

Vrouw en auto
De man keek me aan of ik gek geworden was en loerde om zich heen of hij niet ergens een verborgen camera ontwaarde. Ik gaf geen krimp, ik had dit al vaker aan de hand gehad en alle mannen die ik om hulp had gevraagd, zag ik denken: maf wijf...   

Metro

 

landschap en openbare ruimte

De Blauwe Stad
In de zomer stond er nog een tentenkamp van de Verenigde Communistische Partij in het weiland, als een stuiptrekking van de Koude Oorlog. `Blauwe Stad, zwarte gat´. Die geluiden zijn overstemd door de marketingmythen van de Blauwe Stadjers.   

de Volkskrant

 

bossen

Wakker gekust door de tornado
`Gouden pech´ noemt de brochure Hoogvliet Vernieuwt de storm achteraf. Op een dag begonnen mensen met andere ogen naar het Ruigeplaatbos te kijken. En wat bleek? De natuur was tot leven gekomen, de storm had haar wakker gekust.   

de Volkskrant

 

jacht

Ik verlang naar de jacht
Interview op 1 november 2014 in de rubriek `Lunchen met...´ in NRC Handelsblad, na het verschijnen van mijn roman De jaagster. `Ik vond dat ik zelf moest kunnen jagen om er goed over te kunnen schrijven.´   

NRC Handelsblad

 

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